Nachhaltige Geldanlage – Ethisch und ökologisch Geld anlegen – Welche sinnvollen und seriösen Angebote gibt es?

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Umwelt-Skandale, marode Fertigungsanlagen, Dumpinglöhne in der Textilfertigung. Manager, die sich die eigene Arbeit gut bezahlen lassen und gleichzeitig Mitarbeiter drangsalieren. Um Gewinne zu maximieren, scheinen manchen Unternehmen viele Mittel Recht.

Immer mehr Anleger achten daher inzwischen darauf, in welche Unternehmen sie ihr Geld investieren. Sie machen sich beispielsweise Gedanken über Missstände bei Produktions- und Arbeitsbedingungen oder in Bezug auf den Umweltschutz. Die Idee dahinter: Ihr Geld soll nicht irgendeiner Firma zugutekommen, Sie möchten sich vielmehr an Firmen mit „guten“, „grünen“ oder „ethischen“ Standards beteiligen.

In Deutschland interessieren sich immer mehr Privatanleger dafür, Ihr Geld in so genannte nachhaltige Kapitalanlagen zu investieren. Also in Anlagen, die einen positive ethische, soziale oder ökologische Wirkung erzielen.

Was ist eine nachhaltige Geldanlage?

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung. Das Wort Nachhaltigkeit stammt von dem Verb nachhalten mit der Bedeutung „längere Zeit andauern oder bleiben“. Der Begriff Nachhaltigkeit unterliegt in der Wissenschaft zahlreichen Definitionen – jedoch keiner Allgemeingültigen. Es wird sich daher an der folgenden Begriffserklärung der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 1987 orientiert:

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Natürliche Ressourcen wie Wasser, Böden oder Wälder sollen nur so genutzt werden, dass sie sich wieder regenerieren können.

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Die Grafik zeigt das Ergebnis einer Umfrage zum Verständnis des Begriffs Nachhaltigkeit. 47 Prozent der befragten Personen waren der Meinung, dass Nachhaltigkeit verantwortungsvolles, zukunftsorientiertes Verhalten ist.

Ebenso dient das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung der Begriffsdefinition. Die folgenden drei Bereiche (= Säulen) werden als gleich wichtig und gleichberechtigt angesehen: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Die Ökologische Nachhaltigkeit bezieht sich auf die Erhaltung von Natur und Umwelt. Einen schonenden Umgang mit der Umwelt und jeglichen Ressourcen beschreibt die Nachhaltige Ökonomie. In diesem Zusammenhang wird auf den Begriff Corporate Social Responsibility, zu Deutsch "Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung", verwiesen. Unternehmen stehen heute in der Verantwortung, nachhaltig, also ökologisch und sozial fair, zu wirtschaften. Dies impliziert beispielsweise die Berücksichtigung von Umwelt- und Naturschutz, eine ganzheitliche Produktion, ein umweltgerechter und sozial fairer Handel von Waren und Dienstleistungen sowie das soziale Engagement im internen und externen Unternehmensumfeld.

Manche verstehen unter einer nachhaltigen Geldanlage, sich an großen Projekten wie Wind- oder Solarparks zu beteiligen oder zur Aufforstung von Wäldern beizutragen. Solche Projekte sind jedoch äußerst riskant und zur langfristigen Geldanlage eher nicht geeignet. Besser ist es, sich über breit gestreute Aktienfonds an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu beteiligen. Somit ist sichergestellt, dass sich das Risiko auf eine Vielzahl von Unternehmen, Branchen und sogar Währungen verteilt.

Immer mehr Unternehmen haben inzwischen ein sogenanntes Nachhaltigkeitsmanagement. Neben wirtschaftlichen sollen so auch soziale und ökologische Aspekte bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden.

Für Geldanlagen mit ökologischen, ethischen, sozialen Aspekten gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen: Grünes Geld, Green Money, Social Investment, Ethisches Investment, ethische Geldanlage, sustainable Investments, Social Responsible Investment, Sustainable and Responsible Investment. All das findet sich wieder unter der Begrifflichkeit: Nachhaltigkeit.

Definition: Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte.

Es gibt bislang aber leider keine einheitliche und offenkundige Definition dafür, was nachhaltige Geldanlagen im Detail sind. Begriffe wie "nachhaltige", "ökologische", "soziale" oder "klimafreundliche" Geldanlage sind gesetzlich nicht geschützt. Es gibt keine Mindeststandards. Leider ist es auch so, dass nicht alles, was sich nachhaltig oder klimafreundlich nennt, diesen Namen auch verdient hat. Um beurteilen zu können, ob die Geldanlage dem eigenen Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht, müssen sich Anleger genau informieren, welche Klimaschutz- und/oder Nachhaltigkeitskriterien angewendet werden und in welche Branchen, Unternehmen oder auch Anlageklassen investiert wird.

Grundsätzlich wird bei nachhaltigen Geldanlagen zwischen den folgenden vier unterschiedlichen Ansätzen unterschieden:

  • Anwendung von Negativ- bzw. Ausschlusskriterien: Investitionen in bestimmte Bereiche werden ausgeschlossen, wie zum Beispiel in Atomindustrie, Chlorchemie, Gentechnik, Raubbau, Tierversuche, Kinderarbeit und Militärtechnologie.

  • Positivkriterien: Bei diesem Ansatz wird nach bestimmten Branchen gesucht, in die der Anleger investieren kann. Am naheliegendsten ist hier natürlich die Branche der Erneuerbaren Energien. Zu beachten gilt es, dass das Geld hier auch in Unternehmen investiert werden kann, in denen der nachhaltige Anteil nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmacht, während das Unternehmen gleichzeitig hohe Gewinne in den Bereichen Atomkraft, Kohle oder Öl generiert.

  • Best-in-Class-Ansatz: Es werden Unternehmen oder Schuldner evaluiert, die bezüglich Umwelt- und Sozialaspekten sowie Unternehmensführung (ESG-Kriterien) besonders führend sind. Alle Branchen werden berücksichtigt. Wichtig zu wissen ist, dass hier theoretisch auch Wirtschaftszweige wie Waffen- oder Ölindustrie enthalten sein können.

  • Einflussnahme auf Unternehmen/Engagement: Hierbei nutzen die Aktionäre eines Unternehmens die ihnen zustehende Stimm- und Mitspracherechte, um Einfluss hinsichtlich Umwelt- und Sozialstandards auszuüben, um die Unternehmenspolitik bezüglich ESG-Kriterien zu beeinflussen. Große Anleger üben zudem Einfluss und Druck über direkte Kommunikation mit Unternehmen und/oder über kritische Öffentlichkeitsarbeit aus. Ändern sich Missstände nicht, kann dies sogar einen Ausstieg aus dem Investment zur Folge haben.

Alle ethisch-ökologischen Anlageansätze haben zum Ziel, die vorhandenen Anlagemöglichkeiten zu filtern. Die Grundlage dafür ist das Nachhaltigkeitsverständnis des jeweiligen Anbieters. Sie als Verbraucher sollten daher prüfen, ob dieses zu ihren eigenen Vorstellungen von Ethik und/oder Ökologie passt.

Was die ESG-Kriterien (Environmental Social und Governance) bedeuten

Als Standard nachhaltiger Anlagen hat sich die Begrifflichkeit „ESG“ (nach den englischen Begriffen Environment (E), Social (S), Governance (G) - Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und der unternehmerischen Praxis sowie bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet beziehungsweise bewertet werden. Viele Rating- und Research-Agenturen für Nachhaltigkeit arbeiten mit dem ESG-Ansatz. Diese drei Buchstaben beschreiben drei nachhaltigkeitsbezogene Verantwortungsbereiche von Unternehmen.

Dazu eine beispielhafte Auswahl ESG-bezogener Kriterien:

Environmental (Umwelt)

  • Investitionen in erneuerbare Energien
  • effizienter Umgang mit Energie und Rohstoffen
  • umweltverträgliche Produktion
  • geringe Emissionen in Böden, Luft und Wasser
  • umfassende Strategien gegen den Klimawandel
  • Erhalt der Artenvielfalt

Social (Soziales)

  • Einhaltung zentraler Arbeitsrechte, z.B. Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit oder Nichtdiskriminierungs-Gebot
  • Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • faire Bedingungen am Arbeitsplatz, angemessene Entlohnung sowie Aus- und
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit
  • Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards bei Zulieferern

Governance (Unternehmensführung)

  • transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung
  • Verankerung des Nachhaltigkeitsmanagements auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene
  • Verknüpfung der Vorstandsvergütung mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen
  • Unabhängigkeit des Aufsichtsrates

Wie sicher sind nachhaltige Geldanlagen?

Wer jetzt meint, er könne nahezu im Blindflug nachhaltig investieren, schließlich diene es einem guten Zweck, der sollte folgendes beachten: Ethisch-ökologische Geldanlagen bergen die gleichen Chancen und Risiken wie konventionelle Geldanlagen. Wie hoch die Ertragschancen, aber auch die Verlustrisiken sind, hängt dabei in erster Linie von der Anlageform ab.

Vor jeder Geldanlage ist daher erst einmal zu prüfen, welche Anlageform den persönlichen Bedürfnissen an Sicherheit, Rentabilität und Liquidität entspricht. Dabei gilt folgendes: Eine höhere Renditeerwartung ist in der Regel auch mit einem höheren Risiko verbunden.

Fazit

Die Einsicht, dass auch die Geldanlagen privater Haushalte ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten sollten und können, gewinnt an Bedeutung. Nachhaltige Lösungen und Ansätze in der Geldanlage bieten die Möglichkeit, ein verantwortungsbewusster Anleger zu sein und eine nachhaltigere Rendite zu erwirtschaften. Aber nicht jede Branche, die das Klima schont, ist auch nachhaltig. Auch eine einheitliche Definition gibt es leider nicht, da Begriffe wie "nachhaltige", "ökologische", "soziale" oder "klimafreundliche" Geldanlage gesetzlich nicht geschützt sind. Nicht alles was sich nachhaltig oder klimafreundlich nennt, verdient auch diesen Namen.

Verbraucher sollten daher stets prüfen, ob das Nachhaltigkeitsverständnis des Anbieters auch zu Ihren eigenen Vorstellungen passt. Die Suche nach einem grünen Investment kann mit den vier etablierten Konzepten Ausschlusskriterien, Positivkriterien, Best-in-Class-Ansatz und Einflussnahme auf Unternehmen/Engagement durchgeführt werden.

Nachhaltigkeits-Strategien sollten aber kein ausschließlicher Ersatz für ein ausgewogenes Portfolio von Anlageprodukten und Strategien sein.

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